Kanzlei Gabriela Althoff

Rechtsanwältin  & Fachanwältin für Familienrecht, Mediatorin, Bankkauffrau


 Ehe- und Familienrecht Rechtsbeiträge

 Umgangsrecht: Kein Wechselmodell gegen
den Willen eines Elternteils


Das Oberlandesgericht München hat mit Beschluss vom 15.1.2013 entschieden, dass ein Betreuungs-oder Wechselmodell familiengerichtlich nicht gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden kann, da § 1684 BGB hierfür keine Grundlage bietet.

Das Gericht geht davon aus, dass sich jede Umgangsregelung an § 1684 BGB auszurichten hat. Nach § 1684 Abs. 1 BGB hat das Kind das Recht auf Umgang mit jedem Elternteil, der Elternteil ist zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt. Sind sich die Eltern nicht einig, kann das Familiengericht über den Umfang und die Ausübung des Umgangsrechts entscheiden. Hat jedoch ein Elternteil, in der Entscheidung der Kindesvater, aufgrund einer getroffenen, gerichtlich gebilligten Vereinbarung bereits ein umfängliches Umgangsrecht, kann nicht gegen den Willen des anderen Elternteils ein Betreuung-oder Wechselmodell angeordnet werden. Das Gericht wies darauf hin, dass ein Wechselmodell einen Konsens der Eltern zur Durchführung der wechselseitigen Betreuung und einen gemeinsamen Kooperationswillen voraussetzt.

Somit kann die Entscheidung ein Wechselmodell zu praktizieren nur einvernehmlich von beiden Elternteilen ausgehen. Unverzichtbare Voraussetzung hierfür ist ein gemeinsamer Kooperationswille der Eltern. Es ist nach wie vor streitig, ob ein Wechselmodell mit dem Kindeswohl vereinbar ist.

Zwar sind mit dem regelmäßigen Wechsel des Kindes zwischen den Haushalten beider Eltern Vorteile für das Kind und für die Eltern gegeben, da das Kind den Alltag mit beiden Eltern erlebt und die enge Eltern-Kind-Beziehung zwischen dem Kind und beiden Eltern aufrechterhalten bleibt. Beide Elternteile sind und bleiben in der Verantwortung für das Kind und werden durch das Wechselmodell von der Mehrbelastung eines alleinerziehenden Elternteils entlastet.

Demgegenüber können jedoch auch Nachteile und Gefahren für das Kind entstehen. Durch den regelmäßigen Wechsel können sich für das Kind Belastung ergeben, die nur durch ein hohes Maß an Kooperation, Kommunikation und Kompromissbereitschaft der Eltern aufgefangen werden können. Somit kann ein Wechselmodell nur dann funktionieren, wenn die Eltern in der Lage sind, die Bedürfnisse ihres Kindes in den Vordergrund zu stellen und ihre eig. Konflikte zurückzuhalten. Nur die Kooperation der Eltern wird das Funktionieren des Wechselmodells gewährleisten können, weil es zwangsläufig auch immer wieder zu Brüchen kommt, wenn keine verlässlichen Verabredungen beispielsweise mit Freunden getroffen werden können. Das Wechselmodell setzt ein hohes Maß an Kooperationsfähigkeit beider Elternteile voraus. So müssen beide Elternteile auch gewillt sein, dass Betreuungsmodell jederzeit zu ändern, wenn sich die Bedürfnisse des Kindes ändern und das bisher praktizierte Modell den Bedürfnissen des Kindes nicht mehr entspricht.

Das Gericht ist nicht in der Lage die für eine erfolgreiche Durchführung des Wechselmodells erforderlichen Voraussetzungen zu verordnen. Wenn ein Elternteil das Wechselmodell ablehnt, ist es nicht durchführbar und findet auch keine Grundlage in der einschlägigen Vorschrift des BGB in § 1684.


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